Gespielt vom 03.06.-09.06.2019: Fundament der Ewigkeit & Brass

Was hast du gespielt? Wie hat es dir gefallen? Was war gut? Was nicht so doll? Schreib es hier ins Forum. In der Kurzform oder auch gerne ausführlich und unbedingt gnadenlos ehrlich.
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Jimmy_Dean
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Gespielt vom 03.06.-09.06.2019: Fundament der Ewigkeit & Brass

#1 Post by Jimmy_Dean » 11. Jun 2019, 13:26

Gespielt haben wir „Fundament der Ewigkeit“ von Michael Rieneck und „Brass“ von Martin Wallace in der Roxley Ausgabe.

Das erste Ken Follet Spiel „Die Säulen der Erde“ war klasse und dafür hat das Duo Rieneck/Stadler Anerkennung verdient. Das Spiel ist auch heute noch eine Empfehlung wert

Auf der Messe hatte ich das neue Werk „Fundament der Ewigkeit“ angespielt. Fasziniert hat mich die Optik. Menzel mal wieder. Ein Träumchen

Worum geht es?

Siegpunkte sammeln bis zum Umfallen- nicht sehr originell, aber der Weg dorthin hatte schon ein paar originelle Einfälle.

Kern des Spiels

Als Spieler kannst du Karten erwerben mit Fähigkeiten. Pfiffig dabei ist jedoch, dass eine Karte nur eine gewisse Zeit aktiv ist und dann verschwindet. Wie das? –Nun, auf jeder Karte wird ein farbiger Würfel platziert. Je höher der Wert, desto länger bleibt die Karte aktiv. Denn jede Runde wird die Augenzahl um eins nach unten gedreht. Steht die Augenzahl auf 1, wird die Karte aussortiert.

Jetzt denkt man sich natürlich, dass jeder die Würfel mit den höchsten Augenzahlen auswählt, um damit die besten Karten zu bestücken. Klingt logisch, aber Rieneck hat daraus ein schönes Dilemma gemacht. Dilemma?

Yes, und zwar gibt es am Ende jeder Runde eine Verkaufsphase, in der die Spieler ihre erworbenen Güter verkaufen können. Problem ist nur, dass jedem Verkaufsfeld ein farbiger Würfel zugeordnet ist, um dieses Feld betreten zu dürfen. Und daher ist es sinnvoll, möglichst viele freie ungenutzte Würfel zur Verfügung zu haben. Habe ich also alle meine Würfel auf Spielkarten eingesetzt, bekomme ich zwar viele Ressourcen, aber ich kann sie nicht verkaufen in der zweiten Spielhälfte.

Interessantes Dilemma. Gefällt Ebenso gefällt auch der Mechanismus mit dem Religionswechsel. – Es ist öfters möglich, seine Religion zu wechseln – Von Katholisch zu evangelisch und umgekehrt. Was bringt das? Es gibt Wertungsphasen im Spiel, in denen Siegpunkte ausgeschüttet werden, vorausgesetzt, man gehört der entsprechenden Religion an.

Das waren die Kernmechanismen. Was sich hier in der Kurzfassung und beim Anspielen spannend und toll anhört, entpuppte sich beim Spielen leider eher als Rohrkrepierer. Schlimmes Wort, dabei war das Spiel ganz nett. Aber nett ist heute nix anderes mehr als grottig,)

Grund 1: Das Dilemma mit den Würfeln auf den Karten und dem Verkauf von Waren taugt. Aber das war es auch schon. Der Religionswechsel ist in den meisten Fällen belanglos. Sind meine Mitspieler mit von der Partie, gehören sie auch zu den Siegpunktegewinnern. Und das langweilt. Ein Religionswechsel klingt theoretisch toll, aber in der Praxis muss man erst die entsprechenden Karten erworben haben, damit man alleine gegen die drei anderen Spieler geschickte Punkte abjagen kann. Das setzt aber Glück beim Kartenziehen voraus. Richtig planen kann man hier nix. Selbst taktisch sind die Entscheidungen eher banal. Irgendwie kann man immer etwas Sinnvolles machen, um ein paar Siegpunkte zu bekommen. Das ganze Spiel ist eher ein Nebeneinanderherspielen, ohne irgendwelche Berührungspunkte. So dümpelt jeder vor sich hin, und greift hier und dort ein paar Punkte ab. Spannung und Spielspaß kommen hier nicht auf. Hier wäre so viel möglich gewesen, wenn mehr Interaktion zwischen den Spielern stattfinden würde. Strategische Elemente wären auch hilfreich gewesen, aber auch hier Fehlanzeige. Klarer Fehlkauf. Kann ehrlich gesagt nicht verstehen, dass diese Kritik nicht auch schon bei Probespielen geäußert wurde….

Zweites Spiel: Brass in der Deluxe Ausgabe von 2018

Martin Wallace. Allein dieser Name sorgt bei Vielspielern für ein Kribbeln. Denn seine Liste der „Top Spiele“ ist lang. Diesen Ruf hat er sich hart erarbeitet. Dennoch muss man leider auch berücksichtigen, dass er einige Gurken produziert hat. Daher sind Blindkäufe auch bei so einem Autor immer mit Vorsicht zu genießen

Brass ist eines der bekanntesten und beliebtesten Spielen von ihm. Der Verlag Roxley hat den schon lang vergriffenen Klassiker neu aufgelegt.

Die Optik ist gut. Alles bestens. Und nun kommen wir zum Spiel an sich. Es handelt sich um ein Wirtschaftsspiel.

Mag ich Wirtschaftsspiele? – Kommt drauf an. Ich mag keine Multiplayersolitärspiele. Leider gehört Brass genau zu dieser Sorte Spiel. Es gehört zu den Heavy Eurogames. Wer Spiele wie Great Western Trail, Food Chain Magnate, Tzolkin & Co mag, wird auch dieses Spiel lieben.

Ich gehöre definitiv nicht dazu. Warum? Die Spiele sind anspruchsvoll und sind herausfordernd. Man muss viel planen und rechnen. Für mich ist so ein Spiel mehr Arbeit als Spielspaß. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass meine beiden Mitspieler, unsere gestrige Dreierpartie richtig gut fanden.

Worum geht es beim Spiel?

Es geht auch wieder darum, die meisten Siegpunkte zu scheffeln. Dafür stehen uns gefühlte 100 Möglichkeiten zur Verfügung. Unterschiedlichste Fabriken sind zu gründen, die Waren produzieren, transportiert und verkauft werden müssen. Alles ist irgendwie mit allem verwoben. Für Grübler ein Hochgenuss. Für mich ähnlich spannend wie eine Google Adwords Kampagnen Analyse mit Optimierung.

Bei dem Spiel hätte jedes beliebige Thema genommen werden. Historisch ist hier nichts. Hier fehlt mir persönlich einfach alles, was ein gutes Spiel ausmacht. Aber die Geschmäcker sind halt unterschiedlich.

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ode
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Re: Gespielt vom 03.06.-09.06.2019: Fundament der Ewigkeit & Brass

#2 Post by ode » 11. Jun 2019, 14:08

Was Brass angeht möchte ich doch entschieden widersprechen!!! Wenn es ein Euro gibt, der definitiv kein Multiplayer-Solitaire ist, dann Brass. Mir absolut schleierhaft, wie du zu dem Eindruck kommst! ALLES in Brass dreht sich um das für und wider der Mitspieler!!!

Es gilt bei Brass darum von den Handlungen der Mitspieler zu profitieren, deren Nachfrage ein Angebot zur Verfügung zu stellen. An den Industrien der Mitspieler zu partizipieren, in dem ich Verbindungen zu Städten schaffe. Der Grad der Interaktion in Brass ist enorm!

Wenn ich ein Euro nennen müsste, welches einen Gegenpol zur sog. Multiplayer Solitaire darstellt, würde ich Brass nennen.

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Jimmy_Dean
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Re: Gespielt vom 03.06.-09.06.2019: Fundament der Ewigkeit & Brass

#3 Post by Jimmy_Dean » 11. Jun 2019, 14:23

Hallo Ode,

ich danke dir für deinen Beitrag. Vielleicht hast du Recht. Für mich war es die erste Partie. Da hatte ich schon mehr als genug zu tun, meine eigenen Möglichkeiten im Blick zu behalten. Das war schon anstrengend genug. Die beiden anderen hatten Spaß an dem Spiel und sie waren wohl auch in der Lage, nicht nur ihre eigenen Möglichkeiten zu überblicken, sondern auch die ihrer Mitspieler.

Dennoch denke ich, dass dieses Spiel ebenso gemocht wird von Anhängern der anderen von mir genannten Spiele. Wer die Klassiker wie Tzolkin, Russian Railroads &Co. mag, wird auch dieses lieben:) Wie gesagt, ist mir zu viel Arbeit und zu wenig Vergnügen. Ist wie gesagt meine Erstpartie gewesen und bin enttäuscht. Aber es muss ja nicht jedem jedes Spiel gefallen. Falls es deinen Geschmack trifft, so freue ich mich für dich:-)


Sonnige Grüße aus Kassel
Marc

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Re: Gespielt vom 03.06.-09.06.2019: Fundament der Ewigkeit & Brass

#4 Post by Jimmy_Dean » 12. Jun 2019, 03:35

Hallo Ode,

noch etwas stört mich an Brass. Das Spiel zieht AP Spieler geradezu magisch an. Wir haben in unserer Runde gestern so einen Spieler wieder dabei gehabt. Ergebnis: 4 Stunden Spielzeit. Für Brass? Wir reden hier nicht von einem Cosim, dass auch thematisch ein Spiel trägt über solch lange Zeiträume. Hier ist wieder ein seelenloses Eurogame am Start, dass niemals 4 Stunden trägt.Egal, welches der Heavy Eurogames wir spielen. Entgegen der normalen Spielzeitangaben beträgt bei uns leider der Faktor "Mal 3". Ob Tzolkin (fast vier Stunden Spielzeit) oder Age of Steam (auch dreieinhab Stunden), mir gehen solche Wartezeiten auf den Geist. Das zerstört jeden Spielspaß. Eine Uhr kommt leider auch nicht in Frage für die AP Spieler.Und daher werde ich in Zukunft solche Spiele meiden und auch nicht mehr spielen.

Gruß
Marc

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Re: Gespielt vom 03.06.-09.06.2019: Fundament der Ewigkeit & Brass

#5 Post by ode » 13. Jun 2019, 09:42

Hey,

ich will dich ja nicht überzeugen das Spiel zu mögen. Ich wollte nur ausdrücken, dass ich mich diese Bewertung schwer gewundert hat!

Und ich stimme völlig mit dir überein! Keines dieser mittelschweren Euros trägt über 3 bis 4 Stunden. Brass gehört definitiv zu dem Spielen, für die du mich nachts um 2h aus der Poofe holen kannst. Aber auch ich hab hier schon heftigere Runden mit AP-Leuten gehabt. Da fand ich das nicht ganz so gut.

Und auch bei der Bewertung, dass Brass diese Spieler anzieht stimme ich dir überein. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich solche Spiele fast nur mit meiner Frau spiele. Wir sind recht schnelle Spieler. Wir haben uns da im Laufe der Zeit angepasst. Meine Frau spielt noch schneller und besser als ich. Aber wir scheuen auch bsw. keine Fehler. Dann machen wir sie halt und spielen beim nächsten Mal vielleicht besser. Das ist für viele Spieler ein Problem. Auch, wenn sie nicht besonders häufig spielen und so eine Partie etwas besonderes darstellt. Da will man dann vielleicht auch einfach gut sein.

Brass kann ich mit meiner Frau leider nicht spielen, weil sie diese wirtschaftlichen Themen nicht mag. Bestes Beispiel war Groundfloor, wo sie unverhohlen zugegeben hat, dass sie das Spiel wohl mögen würde, wenn es ein anderes Thema hätte. Aber diese Firmen-Ausbau-Geschichte und Büro-Organisation hat sie bei der Arbeit schon. Da muss es am Spieletisch dann halt das Mittelalter oder so was sein... Manchmal ist Thema dann auch für uns wichtig... :-)

Aber daher muss ich für so Spiele wie Brass eben immer in größere Runden und da trifft man mal den ein oder anderen Denker.

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